Knutschen oder Klatschen II

Vor einigen Wochen gingen wir hier der Frage nach, welche der Froschkönig-Fassungen nun die offiziell autorisierte ist: a) Der Frosch wird geküsst (und verwandelt sich in einen Prinzen), oder b) der Frosch wird an die Wand geklatscht (und verwandelt sich in einen Prinzen). Hier die Ergebnisse: 1. Im Original wird geklatscht. 2. Wo die Mär vom Küssen herkommt, weiß kein Mensch, wir tippen auf einen Mann bzw. Frosch. 3. Was den Umgang mit Prinzen angeht, so reichen die Vorschläge von Klatschen über Nachklatschen bis hin zu noch einmal Nachklatschen, und wenn er dann gut prinzt, kann immer noch geküsst werden. Beschwerden über die aktuelle Prinzenlandschaft wurden ebenfalls laut (vgl. Kommentare).

So weit, so gut, doch das wirft neue Fragen auf:
1. Was ist los mit den Prinzen von heute?
2. Was heißt „gut prinzen“?
3. Was wollen moderne Prinzessinnen?

Das sind zugegebenermaßen schwierige Fragen, für Superheldinnen wie uns jedoch eine Kleinigkeit.

1. Was ist los mit den Prinzen von heute?

Zunächst möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass sich kein einziger von ihnen an der doch auch für sie nicht ganz uninteressanten Diskussion beteiligt hat. Warum eigentlich? Haben für sie Küssen und Klatschen den gleichen Stellenwert? Meine These: Der Prinz von heute ist, das ist nichts Neues, hochgradig verunsichert.

Hatte er früher lediglich Mammuts zu jagen und die Höhle mit Weib und Kind vor Säbelzahntigern zu beschützen, musste der Mann des vorigen Jahrhunderts bereits Geld jagen, Socken stricken, diskutieren, zuhören, den Macho machen, über Gefühle reden, breitschultrig und magersüchtig werden sowie sensibel, durchsetzungsfähig und die Schulter zum Anlehnen sein. Zwischendrin galt es Kriege anzuzetteln und die Welt zu ruinieren. Mittlerweile brennt er aus, weil er Job, Haushalt, Kinder und Frau unter einen Hut bringen, kochen, „hinspüren“, über Liebe reden, seine weibliche Seite entwickeln und ein Sexgott sein soll. Fußball hingegen, das letzte Reservat des wilden Mannes, wurde spätestens bei der Weltmeisterschaft 2006 von den Frauen okkupiert. Da kann mann schon mal den Überblick verlieren und durcheinanderkommen.

2. Was aber heißt nun „gut prinzen“…

… in einer Zeit, in der Säbelzahntiger ausgestorben sind und das Weib mittlerweile einem geregelten Job nachgeht, nachdem sie das Kind in die Ganztagskita gebracht hat? Regelmäßig den Müll runterzubringen? Regelmäßig einer Erwerbstätigkeit nachzugehen? Regelmäßig zu duschen? Ja, das auch. Aber das ist nicht super, das ist Standard.

3. Was wollen moderne Prinzessinnen?

Was wir nicht (mehr) wollen: Selbstmitleid, Humorlosigkeit, Halbherzigkeit, Unentschlossenheit. Wir wollen keine Prinzen, die uns damit umwerben, dass sie sich alleine anziehen oder über die Straße gehen können. Wir wollen auch keine Prinzen, die vor der Drachenhöhle die Nerven verlieren. Und wir wollen erst recht keine fünfzigjährigen Babies, die eine Mama brauchen und kein gestandenes Burgfräulein.

Kurz: Wir wollen Prinzen, die gut prinzen. Wir wollen kühne Recken, keine Dramaqueens. Wenn wir Großes Kino wollen, machen wir das selbst. Wir wollen: Mut, Energie, Witz, Verstand und einen ordentlichen Bizeps. Wir wollen echte Helden, die uns ritterlich nach Hause geleiten, die uns im Hormontief mit Schokolade und Sherry und bei Grippe mit Hühnersuppe versorgen, die Schwächen zugeben, über sich selbst reden und vor allem lachen können, die uns bekochen und Bademäntel schenken, damit wir nicht frieren, und die uns nächtelang im Arm halten. Wir wollen Prinzen, die uns ernst nehmen und zum Lachen bringen, die uns nicht nur am Frauentag mit Liebe und Blumen überschütten, die unsere Autos und Computer reparieren und uns auch an Bad Hair Days zu verstehen geben, dass wir die Schönsten sind.

Wir wollen Rockstars, die uns bei der Online-Flugbuchung und der Einkommenssteuererklärung Händchen halten, die uns zuhören und im Winter unseren Glauben an den Frühling aufrechterhalten und die uns Hasenkäfige bauen, wenn wir im Urlaub sind. Wir wollen Superhelden, die sagen, was sie wollen, die ihr Leben inklusive sich selbst auf die Reihe bekommen, die uns auf Händen tragen, uns hegen, pflegen und verwöhnen, die uns nicht immer allzu ernst nehmen und selbst unsere raffiniertesten Tricks durchschauen. Und dafür werden wir sie bewundern, lieben und schließlich – küssen!

7 Kommentare

  1. Sehr mutig, lieber Ketzer! Vielen Dank für diesen wertvollen und äußerst zielführenden Beitrag. Als weiteren Pluspunkt halten wir fest: Auseinandersetzungsfähigkeit. Dafür gibt es, wie wir finden, das goldene Krönchen. Oder was meinst Du, Ma?

  2. Bei der höflichen Einladung bleibt mir ja nicht anderes übrig, als aus dem Schützengraben herauszutreten. Gut, so habt Ihr’s gewollt.

    Ich habe gar kein Bild der Traumfrau im Kopf, so kann ich jedenfalls nicht an die Sache rangehen. Aber ich habe ein paar Wünsche. Der wichtigste ist: Beziehung heißt miteinander wachsen. Und die Voraussetzung für Wachstum ist, sich auch in der Unterschiedlichkeit zu lieben. Jede Frau projiziert ihre Vaterbeziehung auf ihren Partner und jeder Mann sucht in der Frau eine Mama. Na und? Das ist nicht das Problem, sondern der Ausgangspunkt. Und es geht darum, das nicht in der Partnerschaft wegzulügen, sondern liebevoll anzuschauen. Das erfordert Mut, Herz und Geduld – und es macht auch nicht immer Spaß. Aber der Acker trägt nur Früchte, wenn man ihn bestellt.

    Und so bleibt am Ende die Frage: Wenn er euch den begegnen würde, euer Traummann aus dem Backofen, wärd Ihr dann auch wirklich bereit für ihn?

  3. Na, das sind ja mal klare Worte. Dann wissen die potenziellen Prinzen ja zum Glück jetzt, wie man gut prinzt. Bleibt aber die Frage, wieso keiner der potenziellen oder auch schon tatsächlichen Prinzen (also die bereits Geküssten) dazu etwas sagen möchte. An dieser Stelle wäre ja auch mal interessant, was Frösche und Prinzen sich so von ihrer Herzensdame wünschen. Würde vielleicht noch das ein oder andere Licht in die ganze Sache mit dem Küssen und Klatschen bringen. Wäre ganz Ohr. Also Jungs, was is?

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