War’s das jetzt?

Die lieben Kleinen.

Früher dachte ich, wenn ich mal groß wäre, hätte ich zwei süße kleine Kinderchen, arbeitete in einer Bücherei, führe ein lustiges Schrottauto und führte ein spaßiges, wenn auch leicht chaotisches Leben, in dem ich hektisch, aber glücklich zwischen Job und Familie pendelte und mich beim einen vom anderen erholte. Ich hatte Respekt vor den meisten Erwachsenen sowie der Arbeitswelt und stellte mir vor, dass alles irgendwann einen Sinn ergeben würde. Kurz: Ich war jung und hatte Illusionen.

Heute habe ich Hotti und Lotti, zwei entzückende kleine Kinderchen, die glauben, ich sei groß, und die mir jeden Tag den wirklich allerletzten Nerv rauben, von dem ich dachte, den hätten sie mir bereits gestern zerrüttet, befülle eine Online-Bibliothek mit medienpädagogisch wertvollen Texten, fahre einen weniger lustigen als betagten Kleinwagen und führe ein einigermaßen strukturiertes, aber äußerst hektisches Leben, das ich in weiten Teilen auf der Bundesstraße 1234567 verbringe, wo ich mich wiederum von meinem Job und meiner Familie erhole. Ich bin dabei, den letzten Rest Respekt vor den so genannten Erwachsenen zu verlieren, und auch die Berufswelt finde ich nur mäßig witzig.

Drama statt Rama

Früher unterstellte ich gestressten Müttern Missmanagement und eine überzogene Anspruchshaltung, Mutter-Kind-Kuren waren etwas für Weicheier. Außerdem fand ich, dass Mütter mehr Quatsch mit ihren Kindern machen und sich generell mehr von ihrem Partner unterstützen lassen sollten. Vor Augen hatte ich: Blühende Landschaften des Familienlebens, das Rama-Idyll auf der Sommerwiese. Heute winde ich abends Adventskränze mit Fanta, der es genauso geht, räume spätabends die Spülmaschine aus, hetze frühmorgens mit dem Gelben Sack drei Stockwerke die Treppe runter, und unter „Perfekt“ läuft gar nichts. Ich habe alle zwei Wochenenden kinderfrei und will pausenlos zur Kur. Wenn eins meiner Kinder mit mir Quatsch machen will, nehme ich schreiend Reißaus.

Ist das jetzt der scheiß November, der super Kapitalismus, die Midlife Crisis oder einfach nur die schnöde Realität? Und geht das jetzt immer so weiter…?

Fragt sich und Euch

die aktuelle

2 Kommentare

  1. Dieses mehrgängige Menü, werteste aktuelle, nennt sich „alleinerziehend“ an „scheiß November“. Es schmeckt ein wenig nach Wahnsinn, stopft und erzeugt ein unangenehmes Völlegefühl. Ich habe ebenfalls zu viel davon gegessen.

    Sie dürfen es nicht mit „Midlife Crisis Frikassee“ verwechseln. Dies wird manchmal als Beilage gereicht und macht die Komposition nur noch unbekömmlicher (da es sich eigentlich um ein eigenes Menü handelt).

    Da die aktuelle genau betrachtet noch ein Küken ist, können wir die Midlife Crisis von der Liste der Verdächtigen streichen. Diese wird erst zusammen mit der Pubertät der lieben kleinen Täubchen zur runden Katastrophe kumulieren.

    Und um ihre letzte Frage zu beantworten: Der Superkapitalismus scheint bei der „Bas Cuisine“ die eine oder andere bittere Geschmacksnote zu setzen. Als Konservierungsstoffe werden „Erwachsen“, „Elternschaft“ und „Realismus“ beigemischt. Alles gefährliche E-Stoffe, gehören auf die Verbotsliste. Sie sollten aber solche primitiven Zutaten nicht verwenden – absolut entbehrlich.
    Um den Faden wieder aufzunehmen: Ja, es scheint so weiterzugehen. Fragen sie Alleinerziehende Ihres Vertrauens.

    Da das Leben aber insgesamt trotz seiner bizarren Gestalt eine überaus erfreuliche und liebenswerte Erscheinung ist, lautet die finale Antwort aber: Nein, das war’s noch nicht. Definitiv.

    Hoabe die Ehre,
    der Bäckerblume

    1. Lieber Bäckerblume,
      die Pubertät, genau, die kann man sich ja jetzt schon prima ausmalen, und dann sind die lieben Kleinen ja nicht mal mehr süß! Das kann ja alles noch heiter werden. Dennoch herzlichen Dank für Ihren ebenso ausführlichen wie Mut machenden Kommentar. Wenn das alles allerdings so weitergeht, dann würde ich an dieser Stelle gerne ein paar Süßstoffe/Desserts bestellen. Scheiß auf die Kalorien. Her mit der Sahne!!
      Beste Grüße, l’aktuelle

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