Advent III

„Was mag wohl der dritte Advent dieser Familie am Rande des Nervenzusammenbruchs beschert haben?“, mag sich die geneigte Leserschaft fragen, „sind sie alle noch vor dem Kaffeekränzchen mit Laserschwertern aufeinander losgegangen, so dass nicht nur die Nachbarn zum Beherzten Eingreifen gezwungen waren, sondern neben Polizei und Jugendamt auch gleich der Notarztwagen aufkreuzte, und morgen steht dann alles in der Zeitung?“

Adventssonntage nichts für Zartbesaitete: Familie dreht durch

Vorweihnachten wie im Film.

Nichts dergleichen. Idylle pur. Netter Kinderbesuch, gepflegtes Sternchenausschneiden und Schneemännerbasteln, gediegenes Bratapfelbacken mit Vanillesoße, Weihnachtsmarkt mit Kinderkarussell und Lebkuchenherzen: „Schnucki“ und „Bienchen“. Bilderbuch. Friede, Freude, Fefferkuchen. Eine andere Welt ist möglich.

Ihr werdet sagen, ich lüge. Stimmt. Ersetzt nett, gepflegt und gediegen mit laut, wild und dreckig, dann wird ein Schuh draus. Immerhin konnte ich mich auf dem Weihnachtsmarkt gegen zwei falsche Weihnachtsmänner mit Spongebob-Gasballons behaupten. Ansonsten: Ein weiteres vollkommen normales Wochenende mit zwei entzückenden kleinen Kindern, die alles wollen und zwar sofort, und einer Mutter, die dazu nicht bereit ist. Ein weiteres Wochenende, an dem man am liebsten alleine frühstücken gehen würde, Hotti ihre kleine Schwester hochkant aus dem Zimmer wirft, Lotti auch den fünfundzwanzigsten Trotzanfall nicht auslässt und beide Kinder das Essen zurück auf den Teller spucken. Man bekommt so viel zurück. Wir warten mit Hochspannung auf den vierten Advent, wenn es wieder heißt: Gnadenbringende Weihnachtszeit.

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